Wenn Bauträger verschwinden!
Profis lösen Firmen auf - Anzeige erstatten
Mitteldeutsche Zeitung - Juli/2006
Das Dach ist noch nicht gedeckt, aber schon zur Hälfte bezahlt. Plötzlich bleiben die Handwerker aus, Anrufe bei der Baufirma gehen ins Leere, das Firmenschild ist abmontiert. Nicht selten handelt es sich bei einem solchen Vorgang um eine besonders dreiste Form von Wirtschaftskriminalität - genannt "Firmenbestattung". Die Geschäftspartner bleiben auf unbezahlten Rechnungen, Regressansprüchen oder auf Bauruinen sitzen.
Das krisengeschüttelte Bau- und Ausbaugewerbe ist besonders häufig unter den "traurigen Fällen" vertreten. Meistens ist die Firma hoch verschuldet, womöglich konkursreif, oder ihr drohen - etwa wegen Baumängeln - hohe Schadenersatzansprüche. Statt sich seiner Verantwortung zu stellen, macht der Geschäftsführer einen Deal mit einem Firmenbestatter.
Dieser, meist "Sanierer" genannt, hat einen Käufer für das Unternehmen. Nach Übernahme der Firmenanteile für einen symbolischen Euro verlegt der neue Eigentümer den Firmensitz an eine Postfach-Adresse im Ausland, wo es Gläubigern nahezu unmöglich ist, Ansprüche gerichtlich durchzusetzen. Doris Möller, Rechtsanwältin beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag, geht von einer Dunkelziffer von mehreren Tausend Fällen pro Jahr aus.
Profis managen mehrere Dutzend Firmen gleichzeitig!
"Profis managen mehrere Dutzend Firmen gleichzeitig", so Frank Gallep, Chef-Justitiar der Zyklop Inkasso Deutschland AG. "Es geht einzig und allein darum, die GmbH von der Bildfläche verschwinden zu lassen." Kommt es beispielsweise auf Drängen von Gläubigern zu Ermittlungen, sind wichtige Geschäftsunterlagen oft angeblich auf dem Postweg verloren gegangen - die Beweise damit vernichtet.
Die Bundesregierung hat "Firmenbestattern" jetzt den Kampf angesagt. Künftig sollen Mahnungen, Titel und ähnliche Papiere auch öffentlich zugestellt werden können. Doch dann ist es meist schon zu spät. Experten raten deshalb, beim geringsten Verdacht, dass sich ein Unternehmen "aus dem Staub" machen will, den Staatsanwalt einzuschalten.
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