Zahlungsmoral beflügelt Pleitegeier!

Wiesbadener drücken sich vor dem Bezahlen / Effizientes Forderungsmanagement hilft!

Wormser Zeitung - 13. Juli 2002

Wiesbaden. Die deutsche Einheit ist verwirklicht - zumindest bei der miserablen Zahlungsmoral der Kunden. Und das mit Folgen: 78 Prozent der Inkasso-Branche sehen nach einer Umfrage des Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen verspätete Zahlungen in Ost und West als Ursache von Pleiten beim Bau und im Handwerk.

Die Zahlungsmoral der Deutschen liegt am Boden. Davon weiß auch Dirk Kornau, Pressesprecher der Handwerkskammer Wiesbaden, ein Lied zu singen: "Es ist fast schon ein neuer Sport geworden, das Begleichen von Rechnungen durch fadenscheinige Gründe zurückzuweisen." Die Juristen der Handwerkskammer seien gefragter denn je. Dabei sei es mehr als unfair, erbrachte Leistungen nicht zu bezahlen. Schließlich würden die Handwerker meist mit Materialkosten in Vorlage treten und hätten zudem auch noch die Personalkosten am Hals.

"Insbesondere für Familienbetriebe wird die Zahlungsmoral zunehmend zum Problem", bestätigt auch Hans Jürgen Hoffmann, Geschäftsführer der Wiesbadener Creditreform, einem Inkasso-Unternehmen. Gerade die kleineren Unternehmen hätten es nicht verstanden, ihre Kundschaft zu einer anständigen Zahlungsmoral zu erziehen. Dabei müsse ein Handwerksbetrieb seit der Neufassung des Gesetzes zur Beschleunigung von Zahlungen zum 1.Mai 2001 noch nicht einmal mehr mahnen, um den Kunden in Zahlungsverzug zu setzen. Dies geschieht automatisch 30 Tage nach Zugang der Rechnung.

Problematisch bleibt die Beweislast, die weiterhin beim Rechnungssteller liegt. So mancher Kunden streite einfach ab, die Rechnung erhalten zu haben, sagt Hoffmann. Und damit fangen die Probleme an. Zudem fehlt es trotz erhöhter Verzugszinsen und gesetzlichem Anspruch auf Abschlagszahlungen für erbrachte Leistungen an wirksamen Mitteln, ausstehende Gelder rasch einzutreiben. Immer noch wird gefordert: Gerichte sollten ein Voraburteil erlassen können, wenn aufgrund der Verhandlung eine summarische Beurteilung des Falles bereits möglich ist.

Viele kleinere Betriebe erleichtern zudem das Treiben säumiger Schuldner durch ihr unterentwickeltes Rechnungswesen. Es reiche nicht aus, Rechnungen erst zu verschicken, wenn Ebbe in der Kasse herrscht, mahnen Experten. Und Martin Ostgathe, Vorstand der bundesweit tätigen Zyklop Inkasso, warnt vor Nachlässigkeiten und falscher Bescheidenheit beim Beitreiben von Forderungen.

Wie also können gerade kleinere Unternehmen dem Teufelskreis hoher Außenstände und nachfolgender Pleite entgehen? Ein Rat aus Inkassokreisen lautet: Regelmäßig Rechnungen schreiben. Und sobald das Zahlungsziel überschritten ist, eine Zahlungserinnerung verschicken. Wer die Rechnung lediglich vergessen hat, wird dann zahlen und bei anderen Kunden, die partout nicht zahlen wollen, ist eine Rücksichtnahme weder ratsam noch erforderlich. Häufig wird mit der Beitreibung zulange gewartet - oft so lange, bis am Ende nichts mehr zu holen ist.

Ein Merkblatt der Handwerkskammer Wiesbaden zum Gesetz zur Beschleunigung fälliger Zahlungen kann im Internet heruntergeladen werden. Zudem ist bei der Kammer ein Papier mit Beispielen zum Berechnen von Verzugszinsen erhältlich.

www.hwk-wiesbaden.de

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