Geldeintreiben auf russische Art

Inkasso-Firmen kassierten 2003 vier Milliarden Euro bei säumigen Schuldnern.

Kölner Stadtanzeiger - 15. September 2004

Berlin - Von den Pleitewellen der vergangenen Jahre hat eine Branche profitiert, die in der Öffentlichkeit einen eher fragwürdigen Ruf genießt.

Inkassofirmen haben zuletzt einen regen Kundenzulauf verzeichnet und nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) 2003 rund vier Milliarden Euro bei säumigen Schuldnern eingetrieben. Die Auftragsbücher der bundesweit rund 500 zugelassenen Schuldeneintreiber sind zwar nach wie vor gut gefüllt - aber nach Darstellung des Verbandes wird es schwieriger, die Forderungen auch tatsächlich einzutreiben. "Die goldenen Zeiten sind vorbei", heißt es beim BDIU.

"Inkasso Team Moskau"

Einerseits, weil die Konjunktur wieder an Fahrt gewinnt und wieder weniger Pleiten registriert werden. Anderseits aber auch, weil bei vielen Schuldnern nur noch mit größerem Aufwand an Geld zu kommen ist. Ein Forderungsmanagement der besonderen Art bieten angesichts der wachsenden Zähigkeit mancher Schuldner nicht zugelassene Inkassounternehmen wie das "Inkasso Team Moskau" (ITM) an. "Ihr Schuldner muss kein Russisch können - er wird uns auch so verstehen!", wirbt ITM im Internet. Ein deutlicher Hinweis auf mögliche Methoden, mit denen zahlungsunwillige Schuldner zur Vernunft gebracht werden sollen.

"Russisch Inkasso" nennen Fachleute die zwielichtige Form des Geldeintreibens. "Ihr Schuldner muss Besuch bekommen! Besuch von russischen Spezialisten!": So bot die Briefkastenfirma Robin Hood Consultings ihre Dienste an. Persönlich vorbeischauen wollte man jedoch erst, wenn "höfliche Briefe" oder später auch "unschöne Fotos" nichts gefruchtet hätten. Was säumige Zahler dann erwarten könnte, deutete eine Firma namens "Moskau Inkasso" nach Angaben des BDIU so an: "Wir sagen Ihne glaich, dass wir nicht kommen zu trinken Kaffee! Besser ist, Sie zahlen und wir alle sind Freunde."

ITM-Chef Werner Hoyer, einst CDU-Stadtrat in Celle und selbst ehemaliger Pleitier, versichert zwar, dass ITM Schuldner weder nötigt, bedroht noch gewaltsam attackiert und alles legal abläuft. Aber Angst wollen sie schon machen, die durchtrainierten ITM-Herren mit kugelsicheren Westen in schwarzer Garderobe, wenn sie zum Hausbesuch erscheinen. Es geht um Psychoterror - und die Assoziation mit der russischen Mafia entsteht dabei nicht zufällig. "Die sollen glauben, wir sind von der Russen-Mafia", vertraute ein ITM-Mitarbeiter dem "Spiegel" an. Andere Firmen pflegen mit einem Vokabular wie "Vollkontakt" beim Umgang mit Zahlungsunwilligen ganz bewusst ein Stasi-Image, um renitenten Schuldnern Angst einzujagen.

Ein illegales Unternehmen, das vorgibt, russischer Herkunft zu sein und mit besonders effektiven Methoden zu arbeiten.

Seriösen Inkassofirmen, die vom örtlichen Gerichtspräsidenten eine Erlaubnis haben, sind die russischen und anderen, an der Grenze zur Legalität operierenden Geldeintreiber ein Dorn im Auge, weil sie die Branche in ein zwielichtiges Licht rücken. ITM, meint etwa Martin Ostgathe, Chef der Zyklop Inkasso, sei "ein illegales Unternehmen, das vorgibt, russischer Herkunft zu sein und mit besonders effektiven Methoden zu arbeiten." Und der Zyklop-Chef warnt ebenso wie der Verband der Inkassounternehmen, dass sich Auftraggeber angesichts zweifelhafter Methoden möglicherweise selbst strafbar machen.

Handwerker in Nöten

So wurde in Stuttgart ein Geschäftsmann wegen gemeinschaftlicher Erpressung verurteilt, der sich auf eine nicht zugelassene Inkassofirma eingelassen hatte. Klagen gegen ITM blieben bislang aber offenbar wirkungslos. ITM fühlt sich zu Unrecht der Illegalität bezichtigt: "So versuchen sich oft Gauner, Betrüger und Schuldnerhaie durch eine Strafanzeige vor ITM zu schützen - bisher völlig zweck- und erfolglos", verteidigt sich das "Moskau Inkasso Team". Kritiker werfen den Geldeintreibern, die auf "russische Art" operieren, zudem Geldschneiderei vor, weil oft Mitgliedsbeiträge, Vorschüsse und hohe erfolgsabhängige Honorare fällig werden.

Vor allem Handwerker, die angesichts der abnehmenden Zahlungsmoral von Bauherren selbst in Insolvenznöte geraten sind, nutzen bislang das anrüchige Forderungsmanagement - mehr als die Hälfte der Aufträge für Firmen wie ITM kommen von geprellten Handwerksmeistern.

(KStA); Link zum Artikel: http://www.ksta.de/

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