Staatsanwalt hat aufgemerkt
Krefelder Inkassounternehmen warnt vor "Firmenbestattungen". Die sind illegal - das Geld der Gläubiger ist weg. In solchen Fällen sollte Strafanzeige gestellt werden.
Westdeutsche Zeitung - 27. Februar 2004
"Hilfe im Insolvenzfall binnen 24 Stunden!" Hinter solchen Angeboten, weiß das Krefelder Unternehmen Zyklop Inkasso Deutschland AG, stecken so genannte "gewerbsmäßige Firmenbestattungen".
"Geschäftsführer von Firmen, die zahlungsunfähig sind, übertragen - vor dem Insolvenzverfahren - Geschäftsanteile und -führung an den 'Bestatter', um sich so der Verantwortung zu entziehen. Der neue Geschäftsführer schließt die Firma, die Gläubiger haben das Nachsehen: Der frühere Geschäftsführer beruft sich darauf, dass er dies ja gar nicht mehr sei, sein Nachfolger ist zumindest nicht greifbar und wohnt im Ausland. Diese Vorgehensweise ist leider nicht selten, aber absolut illegal!", sagt Martin Ostgathe, Vorstand der Zyklop Inkasso Deutschland AG. Die sitzt in Krefeld an der Königsberger Straße 10 und hat heute 110 Mitarbeiter. Kunden sind in der Regel mittelständische Unternehmen, deren Kunden wiederum nicht zahlen.
Diese Vorgehensweise ist leider nicht selten, aber absolut illegal!
"Soll eine Firma aufgelöst werden, ist der Geschäftsführer verpflichtet, sämtliche Schulden zu bezahlen. Ist das wegen Zahlungsunfähigkeit nicht möglich, hat er Insolvenz zu beantragen. Wenn er dies versäumt, macht er sich strafbar!" Diese Strafbarkeit gelte sowohl für den früheren Geschäftsführer, der den Insolvenzantrag nicht gestellt und stattdessen die Geschäftsführung an einen anderen übergibt, als auch für seine Nachfolger. Letzterer bestreitet dieses 'Geschäft' oft systematisch und lasse sich dafür gut bezahlen. "Die Übernahme der Geschäftsführung von mehr als 40 Firmen ist keine Seltenheit", sagt der Vorstand des bundesweit tätigen Inkassounternehmens. "Durch eine über das Internet mögliche bundesweite Suche sind solche planmäßig wiederholten Straftaten problemlos nachvollziehbar. In diesem Fall hatten wir 85 Treffer." Die Spur führte letztendlich sehr oft nach Südspanien, wo sich ein gut organisiertes betrügerisches Netz gebildet habe, das solche Geschäfte vermittele und das bereits die Aufmerksamkeit sowohl der deutschen als auch der spanischen Staatsanwaltschaft auf sich gezogen habe.
Die bundesweite Suche sei über www.genios.de möglich, als Stichwort brauche nur der Name des neuen Geschäftsführers eingegeben zu werden. Das Inkassounternehmen empfiehlt in diesen Fällen, Strafanzeige zu erstatten. Doch bekommt man auf diese Weise sein Geld? Der Inkassospezialist zerstört alle Illusionen: "Das Geld ist regelmäßig weg!", so Ostgathe. "Es geht hier allein darum, Straftaten aufzudecken und den Tätern das Handwerk zu legen, auch im Interesse potentieller zukünftiger Opfer."
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Zyklop Inkasso Deutschland GmbH
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